Kirche Sankt Ambrosius (Magdeburg)


Im Wandel der Zeit 


Zeitlicher Abriss

 Die Gemeinde Sankt Ambrosius schaut zurück auf eine etwa 1.000-jährige Geschichte.

Unsere heutige Kirche ist bereits die sechste Sudenburger Kirche Sankt Ambrosius. 

Die ersten vier Kirchen lagen in der alten Sudenburg, im Bereich der heutigen südlichen Altstadt Magdeburgs.

Die erste Ambrosiuskirche wurde wahrscheinlich 1012 errichtet. Wie ihre beiden Nachfolger wurde sie Opfer der kriegerischen Auseinandersetzungen der Altstadt. 1213, 1546 und 1631 wurden diese drei Kirchen zerstört.

1544 wurde Sankt Ambrosius evangelisch. Auf Befehl Napoléons wurde 1812 die alte Sudenburg abgerissen, wovon auch die 4. Ambrosiuskirche betroffen war. Die Sudenburger durften sich etwa 2 km entfernt, am heutigen Standort, neu ansiedeln.1822 wurde die 5. Kirche St. Ambrosius geweiht, eine kleine turmlose Kirche, deren Gestaltung Karl Friedrich Schinkel maßgeblich beeinflusste. Die Kirche war bereits in den 1830er Jahren viel zu klein für die stark wachsende Gemeinde.

 

Im Jahr 1875 wurde sie deshalb zugunsten eines größeren Neubaus abgerissen, unserer heutigen

6. Ambrosiuskirche.


1875 - (11. Juli) Grundsteinlegung (6. Ambrosiuskirche)

Die Gottesdienste fanden während der Bauphase in einem Stallgebäude auf dem Gelände der heutigen Feuerwache statt, das zu diesem Zweck umgebaut und hergerichtet wurde. Treibende Kraft für den Neubau der Kirche war der Pfarrer Johannes Hesekiel, dem zu ehren eine Sudenburger Straße benannt wurde. Seine Grabplatte befindet sich heute im Eingangsbereich der Kirche.


1876 - (17. Dezember) Richtfest

Mit dem Aufsetzen der Turmkreuze ist der Rohbau fertiggestellt.

 

1877 - (13. Dezember) Weihe der Kirche 

Nach ca. 2,5 Jahren Bauzeit ist die Kirche fertiggestellt und wird feierlich ihrer Bestimmung übergeben.

 

1879 - Einbau der Orgel

Sie war bei der Firma Eule (Frankfurt/Oder) in Auftrag gegeben und gefertigt worden.

 

1883 - (10. November)  Gedenktafel für Martin Luther

Zum 400sten Geburtstag von Martin Luther wird eine Gedenktafel an der Kirche angebracht, die an ihn und die Reformation erinnert. Sie ziert heute den Eingangsbereich der Kirche. 

 

1917 - Die Kirchenglocken werden zu Kriegszwecken eingezogen 

Die beiden großen bronzenen Kirchenglocken, 1877 aus französischen Beutekanonen gegossen, müssen zu Kriegszwecken abgegeben werden. Sie werden eingeschmolzen. Nur die kleine Glocke verbleibt. Später wird sie verkauft. 

 

1922 - Erste notwendige Sanierungsmaßnahme

Das Dach der Kirchtürme ist schadhaft und muss neu eingedeckt werden.

 

1923 - Mahnmal für die Gefallenen 

Im Dezember wird im Vorraum der Kirche ein Mahnmal errichtet, das an die 1.180 im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder erinnert. 

 

1924 - (05. Oktober) Neue Glocken für Sankt  Ambrosius 

Die drei Stahlglocken waren 1922 von Pastor Dr. Wolff beim Bochumer Verein für Glockenguss bestellt worden. Im Erntedankgottesdienst werden sie geweiht. Noch heute sind sie zu hören.

 

1925 - Neuer Innenanstrich und elektrisches Licht 

Die alte Gasbeleuchtung hat ausgedient und wird durch elektrisches Licht ersetzt. Zu diesem Zweck werden werden zwei Kronleuchter eingebaut, ein großer mittig im Kirchenschiff, ein kleinerer über dem Altarraum. In diesem Zusammenhang erhält Innenraum unter Leitung der Architekten Dabelow einen neuen Anstrich.

 

1930-33 - Weitere Reparaturen werden getätigt 

1930 müssen vier stark verwitterte Kreuzblumen auf dem Kirchendach durch neue ersetzt werden. 1931 wird der Heizkessel der Kirche durch einen neuen ersetzt.1933 werden die maroden Fenster saniert und mit Schutzgittern versehen.

 

1945 - Kriegsende

Die Ambrosiuskirche hat den Zweiten Weltkrieg Krieg ohne große Schäden überstanden. Nur die Fenster und das Dach weisen Beschädigungen auf, die jedoch wegen Materialmangel und verweigerter Zuteilungen nicht zeitnah beseitigt werden können. Die zerstörten Fenster können nur notdürftig mit Pappen verschlossen werden. Erst 1949 kann das notwendige Glas für die Fensterreparatur beschafft werden. Durch die Schadstellen eindringendes Regenwasser verschlimmert den baulichen Zustand der Kirche zusehends.

 

1953 - Feuchteschäden werden unübersehbar

Während einer Veranstaltung in der Kirche fällt ein großes Stück Putz von der Wand und die Kirche muss aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Eine Untersuchung offenbart weitere lose Putzstellen, die abgeschlagen werden müssen. 

 

1955 - Ein Fassadenteil stürzt ab

Ein großes Stück Sandstein fällt vom Gesims der Kirche zu Boden. Verletzt wird zum Glück niemand. Eine eingehende Untersuchung offenbart gravierende Schäden an der Außenfassade und weitere lose Teile. Es muss dringend gehandelt werden.

 

1957-59 - Notdürftige Sanierung

Da eine notwendige Grundsanierung nicht finanzierbar war, konnten nur die gravierendsten Mängel beseitigt werden. Die Westseite des Daches wird neu gedeckt, die Ostseite kann nur ausgebessert werden. Die gravierendsten Schäden an den Außenwänden werden behoben, schadhafte Fugen ausgebessert. Im Kircheninneren werden unter Leitung des Architekten Erich Degenkolbe einige Umbauten vorgenommen. U.a. wird ein neuer, größerer Altar eingebaut und die Kanzel versetzt.

Die Kirchenbänke werden zerschnitten, um einen Mittelgang zu schaffen. Die Orgel wird für einen Umbau ausgebaut. Nach den Maurer- und Putzarbeiten erhält der Innenraum einen neuen, helleren Anstrich. 1959 wird die überarbeitete Orgel wieder eingebaut. Ihren Abschluss findet die Sanierung am 25.08.1959 mit Weihe des Altars und der Kanzel. Der Innenraum der Kirche zeigt sein heutiges Bild.

 

In den folgenden Jahrzehnten konnten nur die dringendsten Reparaturen durchgeführt werden. Die Undichtigkeiten am Dach waren durch die Sanierung nicht vollständig beseitigt worden und neue Feuchteschäden stellten sich ein. Die Heizungsanlage konnte mehrfach notdürftig instand gesetzt werden, bis sie schließlich nicht mehr zu retten war. Heute lässt sich die Kirche nicht mehr heizen und die Gemeinde muss in den kalten Monaten ins Gemeindehaus ausweichen. Nach der Deutschen Einheit konnte im Jahr 1995 eine Neueindeckung des Daches finanziert werden, die das Eindringen von Feuchtigkeit jedoch wieder nicht vollständig stoppen konnte. 

 

Heute, über 55 Jahre seit der letzten größeren Sanierung, zeigt sich das Kirchengebäude in besorgniserregendem Zustand. Offene Fugen, eine abbröckelnde Fassadenoberfläche, Frostabsprengungen und wieder mussten lose Steinteile aus Sicherheitsgründen abgenommen werden. Eine schnelle Grundsanierung ist unumgänglich, die Finanzierung erfreulicherweise auf einem guten Weg.

 

Da die Sankt Ambrosiusgemeinde alleine nicht in der Lage ist, den zu erbringenden Eigenanteil für die Sanierung zu stemmen, hat sich Ende 2015 der Förderverein Kirche Sankt Ambrosius e.V. gegründet, um die Sanierung unseres Sudenburger Wahrzeichens finanziell zu unterstützen.

 

Thomas Garde (Vereinsmitglied)